Tief traurig gedenken wir unseres
langjährigen Vorstandmitglieds Winfried-Illo Graff. Er war stets
ein engagierter Unterstützer des Global Cooperation Council und
stand uns immer mit Rat und Tat bei unseren Vorhaben zur
Förderung der Völkerverständigung zur Seite.
Wir geben im Folgenden die bewegende Trauerrede wieder, die ein
enger Freund von Illo anlässlich der Trauerfeier gehalten hat.
Wir könnten es nicht besser ausdrucken. Wir finden in dieser
Rede Illo so wieder, wie wir ihn in Erinnerung haben.
http://www.zeit.de/1992/13/Im-Land-der-Heilkraeuter-und-Klosterburgen
http://www.flickr.com/photos/82757070@N00/2245600472/
Trauerrede:
Wenn Du etwas mit aller Macht gescheut und gemieden hast, dann
waren es Anlässe oder Situationen, in denen Du im Mittelpunkt
standest, es über Dich ging, Dein Leben, Deine Privatsphäre oder
auch Dein Engagement innerhalb oder außerhalb Deines Berufes.
Das mochtest Du überhaupt nicht. Heute aber, wenn wir von Dir
Abschied nehmen müssen, musst Du uns genau dies erlauben – und
ich tue es jetzt in der Gewissheit, dass Du mit feinem
Lächeln dem widerstrebend zugestimmt hättest. Bei unserem
Abschied von Dir möchten wir Dich noch einmal ganz und nah vor
unseren Augen sehen und erleben, bevor Du endgültig von uns
getrennt wirst.
So, wie Du es gewollt hast, spricht heute keine Frau,/kein Mann
der Kirche zu Dir, sondern einfach - einer Deiner Freunde.
Nicht, weil ein Gott für Dich fremd geworden, für Dich abwesend
war. Keineswegs. Er war bis zuletzt für Dich eine zu einem
sinnvollen, bewussten Leben unbedingt dazugehörende Dimension -
geistig, seelisch und spirituell. Aus ihr hast Du – frei von
allen institutionellen Bindungen – im inneren Dialog für Dich
Kraft und Orientierung abgeleitet, besser: abgerungen ,
kritisch, zweifelnd, aber immer suchend und offen für
helfende, weiterführende Antworten. Du warst Deinem inneren
Gegenüber ein unbequemer Gesprächspartner, aber dieses
Gespräch riss nie ab. Nur selten , aber manchmal , hast Du uns
hieran beteiligt. Hast Du es zuende führen können? Mit welchem
Ergebnis?
Trotz Distanz und Austritt aus der Kirche – ja, es war schon
Einiges sehr Katholisch an Dir : Schon Dein ausgeschriebene
Name Winfried Illo Antonius Laurentius Graff atmet rheinischen
Katholizismus. Als 10 Jähriger warst Du leidenschaftlicher
Messdiener im Kloster Steinfeld, das Du bis zuletzt immer wieder
aufgesucht hast. Bis zum 18. Lebensjahr warst Du, was man einen
strenggläubigen Katholiken nennt. Du wolltest sogar Priester
werden!
Dies war und blieb Deine eine Seite : Dein Interesse an
Meditation, die Suche nach Sinn und innerer Ruhe, nach
endgültigen Antworten – auch nach Poesie :Du hast Gedichte
geschrieben. In Verse gefasste Erkenntnisse und Empfindungen .
Dich reizte das Phantasievolle, Ungewöhnliche, das
Grenzüberschreitende - bis hin zur Esoterik und zur
ganzheitlichen Medizin. Viel hast Du hierüber gelesen, an
Kursen und Veranstaltungen teilgenommen, uns Tipps und Hinweise
gegeben. Aber niemals missionarisch, belehrend. Eher
zurückhaltend, manchmal fast schüchtern und widerwillig. Das
waren Deine ganz intimen, eigenen Wege und Instrumente zur
inneren Formung und Vertiefung. Kein Thema für längere
Gespräche mit anderen., aber auch kein Geheimnis. Wir wussten
und respektierten – und profitierten davon , wenn Du es
wolltest und wir dafür offen waren .
In diesem Teil Deines Wesens – und ich glaube, Du hast Dich
innerlich sehr genau sortiert und strukturiert , dabei blieb
manche Kammer für uns Freunde und Bekannte immer verschlossen –
in diesem zurückgezogenen Teil Deiner Person lag und arbeitete
in Dir das traumatische Erlebnis, das Dich nie losgelassen hat
und von dem Du immer wieder erzählen musstest, weil Du Dich
schuldig fühltest: Der Tod Deines Bruders Wolfgang, der in den
letzten Kriegsmonaten in der Eifel auf dem Weg zum Brotholen von
einem britischen Tiefflieger erschossen wurde – Du
hättest das Brot holen sollen, Du hattest Dich aber geweigert.
Vielleicht war dieses Erlebnis aber auch eine Kraft, die den
ganz anderen Illo angetrieben und geformt hat: Den“ Homo
politicus Illo „:den Grandseigneur auf der internationalen
Medienbühne, den Wanderer zwischen den Kulturen und Kontinenten,
den Kümmerer, den Förderer und Freund der Jugend.. Engagiert für
das öffentliche Wohl, diskussionsfreudig, kommunikativ
und zupackend. Aber auch hier Bezüge und Wurzeln zu Familie und
Herkunft: Dein Vater - ein gerader und mutiger Anti – Nazi,
Dein älterer Bruder - Mitbegründer des SDS und Präsident des
Republikanischen Clubs und dann sicher auch das quirlige Leben
in einer Großfamilie mit 2 Brüdern und 2 Schwestern.: Nährboden
für die beiden Eigenschaften, die man immer mit Dir verbinden
werden , mit denen Du Dein Umfeld zuweilen provoziert , aber
immer zugleich auch mobilisiert und angeregt hast :
Das Rebellische, der ausgeprägte Widerspruchsgeist in Dir!
Schon die Schule war Dir verhasst, 2 x bist vom Gymnasium
geflogen (zu renitent, faul , lieber Theater spielend)
UND
Formalismus, starre Etikette und engstirniger Bürokratie waren
Dir ein Greuel!
Diese Eigenschaften haben Dir viel inneren Platz verschafft für
unablässige Neugier und ständiges Interesse an allem sich
Entwickelndem, Kreativen , an fremden Kulturen und Ländern , an
ihrer Musik, ihrem Essen , ihrem Tanz und ihrer Kunst.
Unkonventionelle Ideen , das noch nicht Fertige, neue
Herausforderungen waren Deine Sache. Sich einmischen, mitdenken
und mitgestalten, politisches Engagement und ehrenamtlicher
Einsatz – so hast Du Dich intensiv und unermüdlich eingebracht.
Und Dir anvertraute Menschen, vor allem junge, zu fördern, ihnen
zuzuhören, intensiv nachzufragen, Sie zu beraten und zu
begleiten: Das hat Dich begeistert.
Wie hast Du diese Fülle Deiner z. T. sich widersprechenden
Neigungen, Begabungen und Interessen in einer geordneten Vita
entwickeln können? Irgendwie hast Du`s geschafft:
Die Schule bis zum Abitur – gewürzt als Austauschschüler in
Frankreich und England!
Dann das Studium der Romanistik, Philosophie und Pädagogik in
Köln- aber natürlich auch an der Pariser Sorbonne und
selbstverständlich auch als Reiseleiter beim Asta.
Und dann - genau zum richtigen Zeitpunkt - die Hand von oben
, die wunderbare Fügung, die es Dir ermöglichte, die ganze
Palette Deiner Fähigkeiten in geradezu idealer Weise zu
entwickeln und auszuleben --: Dein Einstieg bei der DW! Ein
fulminanter Auftakt: Mit 29 als Rundfunkberater nach Kigali /
Ruanda . Afrika, Deine Liebe für`s Leben ! Gerade verheiratet
mit Uta und bald schon mit Tochter Birgit. Ein Rausch, - dem
schon nach einem Jahr die durch Krankheit erzwungene Rückkehr
nach Köln folgte. Aber wieder Glück und Fügung: Das gerade
gegründete „Hörfunk – Ausbildungszentrum „ der Welle zur
Förderung der Ausbildung von Rundfunkfach – und Führungskräften
aus den Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Lateinamerika
war Dir wie auf den Leib geschrieben. Ein Gottesgeschenk !
Und die zwei Richtigen hatten sich gefunden: Fast 30 Jahre lang
„ Illo und DW- Hörfunk – Ausbildungszentrum“! Eine ganze
Generation lang !. Zunächst Trainer und Kursorganisator, dann 14
Jahre lang Chef. Wie kein anderer hast Du Aufbau und Konzeption
des Zentrums und sein ständig wachsendes Ansehen im In- und
Ausland geprägt und gefestigt, hast Reisen, Workshops, Seminare
und Konferenzen in mehr als 100 Länder organisiert und
bestritten und vor allem: Du hast unvergessene Spuren in den
Köpfen und Herzen zahlloser Menschen in allen Erdteilen
hinterlassen. In Deiner Kompetenz gefragt und geschätzt , für
Deine Toleranz und für Dein mitmenschliches Interesse geachtet ,
hast Du viele Deiner Kollegen in aller Weltbeeindruckt und in
ihrem beruflichen Selbstverständnis geprägt. Noch heute, 15
Jahre nach Deiner Pensionierung, richten viele Wegbegleiter aus
aller Welt Grüße an Dich aus und fragen nach Dir.
Dabei hast Du hohe Ansprüche an Dich und Andere gestellt. Hier
warst Du unerbittlich, manchmal sehr hart. Lieber ein Freund
weniger, als einer zuviel - war Deine Devise.
Uns aber, die wir Deine Freundschaft erobert haben, bleibt Dein
Witz, Dein tiefer Humor, Deine diebische Freude an Zugespitztem,
Absurden unvergessen. Herrliche, ruhige und heitere Abende unter
dem weiten Himmel Afrikas mit Dir, das Exotische auf dem Teller
neugierig-kritisch prüfend, die souveräne Ruhe, die von Dir
ausströmte, die violetten, im Wide flatternden Seidenhemden ,
manchmal von einem Strohhut gekrönt ---: das bleibt tief sitzen.
Und die ausgedehnten Gespräche, die Du liebtest : interessiert,
anteilnehmend, offen für Neues, für andere Sichtweisen, immer
Partei ergreifend für die Schwächeren ,für das vom Mainstream
der Medien Ausgeblendete und Verschwiegene.
Dem Phänomen der „ Zeit „ galt Dein tiefes Interesse: Sich
bewusst Zeit zu nehmen für Wesentliches, das zeitlich Bedingte,
Geschichtliche aller Ereignisse zu erkennen und zu
berücksichtigen , war Dein leidenschaftliches Anliegen und
Appell. Die intensive Lektüre des abonnierten Geschichtsmagazins
„ Damals“ auf der einen Seite, die eindrucksvolle Breite Deiner
über Jahrzehnte bis zuletzt wahrgenommenen Ehrenämter, die auf
aktive Mitgestaltung gesellschaftlicher Entwicklungen abzielten
, auf der anderen Seite, markieren dieses weite Feld Deiner vita
activa :
Leiter des internationalen Kreises der
Carl-Duisberg-Gesellschaft in Köln
Stv. Bundessprecher der Internationalen Kreise der CDG
Stadtverordneter im Rat der Stadt Mecherenich
Vorsitzender der SPD-Schiedskommission im Unterbezirk Euskirchen
Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst und Medien in Köln
Vorstandsmitglied des DGB in Köln
Vorstandsmitglied der LokalAgenda Köln
Vorstandsmitglied des Global Cooperation Council (früher in
Bonn, jetzt in Berlin)
Mitarbeit in der Leitbildentwicklung für Köln
Das 1991 verliehene Bundesverdienstkreuz war Anerkennung dieses
herausragenden Engagements.
Lieber Illo, Du würdest jetzt unwirsch,. vielleicht sogar böse
abwinken:
"Lass
diese Äußerlichkeiten! Wie geht es Dir? , Euren
Kindern? Was habt Ihr vor?, Wo wart Ihr?"
Das menschlich Konkrete , darauf kam es Dir immer an ! Deine
Familie, Deine Kinder und Enkel, Barbara – sie bildeten das
immer spürbare Gravitationszentrum Deiner Gedanken, Überlegungen
und auch Sorgen, zu dem unsere Gespräche , wenn fast alles
andere gesagt und bedacht war, immer wieder zurückkehrten.
Ich bin daher sicher, lieber Illo, dass Du eins jetzt unbedingt
machen würdest, wenn Du es könntest: Lass mich es daher jetzt
in Deinem Namen für Dich tun:
Dir, liebe Barbara, unendlich zu danken für Deine Liebe,
Fürsorge und Pflege in den letzten Wochen und Monaten, die Dich
bis an den Rand Deiner Kräfte, manchmal darüber hinaus,
erschöpft und gefordert haben. Du hast Illo das kostbarste und
größte Geschenk gemacht, das man Menschen am Ende ihres Lebens
machen kann: Ihn liebe- und aufopferungsvoll umsorgt zu haben,
damit er in Würde seinen Weg zuende gehen zu konnte.